1. Aug. 2025

Tipps für bessere Zusammenarbeit zwischen Design & Development

Manchmal gibt es Verzögerungen oder Probleme in der Zusammenarbeit zwischen Development und Design. Das trifft häufig zu, wenn Teams neue Onlineshops entwickeln und gestalten.

Aber die Hindernisse lassen sich überwinden. Am besten ist es, wenn Designer:innen und Entwickler:innen von Beginn an darauf achten und miteinander kommunizieren.

PAGE hat André Roitzsch, CEO bei SHOPMACHER, dazu vier Fragen gestellt.

1. Was sind Ihrer Ansicht nach die größten Problematiken in der Zusammenarbeit zwischen Entwicklung und Design für Onlineshops?

André Roitzsch: Eines der zentralen Probleme in der Zusammenarbeit zwischen Design und Entwicklung liegt im sequentiellen Vorgehen: Wenn zunächst das Design vollständig ausgearbeitet, freigegeben und anschließend in die technische Umsetzung überführt wird, treten an der Stelle dann häufig Schwierigkeiten auf. Denn Designer:innen sind sich nicht immer der technischen Einschränkungen des gewählten Shopsystems bewusst. So entstehen gestalterische Vorgaben, die zwar aus Designperspektive sinnvoll und attraktiv sind, deren Umsetzung jedoch technisch unnötig komplex oder aufwändig ist.

Auf der anderen Seite fehlt es Entwickler:innen mitunter an Verständnis dafür, welche »kleinen« Abweichungen vom Design vertretbar wären, ohne das gestalterische Gesamtkonzept zu unterlaufen. In solchen Fällen sind zusätzliche Abstimmungen erforderlich – bis hin zur erneuten Freigabe durch das Design-Team, was Zeitverzug und Reibungsverluste zur Folge hat.

Doch auch vom anderen Ende her gedacht, ist es häufig eine Einbahnstraße: Wenn technische Konzepte vorab entwickelt und anschließend an das Corporate Design »angepasst« werden sollen, können gestalterische Korrekturen erhebliche Zusatzaufwände in der Entwicklung verursachen – insbesondere dann, wenn diese nachträglich eingebracht werden und ursprünglich nicht eingeplant waren.

2. Wie kann man hinsichtlich der genannten Punkte Verbesserungen erzielen?

Die effektivste Lösung liegt in einer echten, kollaborativen Entwicklung von Gestaltung und Umsetzung – idealerweise von Beginn an im engen Schulterschluss. Design und Entwicklung sollten sich nicht als nachgelagerte Prozessschritte verstehen, sondern als parallele, miteinander verzahnte Disziplinen.

Darüber hinaus ist eine realitätsnahe Datenbasis essenziell. In der Konzeptionsphase wird meist mit idealisierten Musterdaten gearbeitet – was zu ästhetisch ansprechenden, aber nicht immer realitätsnahen Ergebnissen führt. Sobald reale Produktdaten aus Drittsystemen ins Spiel kommen, zeigen sich schnell Inkonsistenzen, die sowohl das Design als auch die technische Struktur belasten. Ein gemeinsames Verständnis für Datenherkunft, -struktur und -logik hilft, hier frühzeitig gegenzusteuern.

3. Haben Sie Alltagstipps in puncto UX- und UI Design für Designer:innen in Unternehmen, die Onlineshops betreiben?

Ein bewährtes Mittel ist der regelmäßige Austausch in praxisnahen Workshops, um das UX gemeinsam mit den Designpartnern zu entwickeln und umzusetzen. In diesen operativen Formaten können potenzielle Konfliktstellen frühzeitig identifiziert und gemeinsam tragfähige Lösungen entwickelt werden.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist ein sauberes, verständlich dokumentiertes Datenmodell.

Gerade im Commerce-Umfeld ist es entscheidend zu verstehen, dass die gestalterische Arbeit zu einem großen Teil in der Visualisierung von Daten besteht. Wer die Struktur, Herkunft und Verarbeitung dieser Daten kennt, gestaltet fundierter und effizienter.

Zudem ist technisches Grundverständnis bei Designer:innen von großem Vorteil – insbesondere Kenntnisse in HTML, CSS und idealerweise auch grundlegendes Verständnis für JavaScript. In unserem Onboarding-Prozess legen wir daher Wert darauf, dass Designer:innen eigenständig mit Shop- oder Redaktionssystemen arbeiten, Templates anlegen und Seiten aufbauen. Das praktische Erleben technischer Möglichkeiten und Grenzen fördert nicht nur das Verständnis, sondern erhöht auch die Qualität der späteren Designvorgaben.

4. Haben Sie Tipps für Entwickler:innen?

Auch auf Entwicklerseite gilt: Verständnis für die jeweils andere Disziplin ist essenziell. Es reicht nicht, sauberen Code zu schreiben – entscheidend ist, wie dieser im Frontend wirkt. Entwickler:innen sollten regelmäßig ihre Ergebnisse im Browser überprüfen und mit dem ursprünglich geplanten Design abgleichen.

Ein gutes Auge für Gestaltung – zumindest in Grundzügen – gehört zur Kompetenz eines Frontend-Entwicklers. Wer Abweichungen erkennt, visuelle Details ernst nimmt und konstruktive Alternativen vorschlägt, trägt maßgeblich zu einer hohen User Experience bei – ohne die technische Effizienz aus dem Blick zu verlieren.

André Roitzsch, CEO

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