Der Happy-Index als Parameter fĂŒr strategische Entscheidungen
Wir messen einmal wöchentlich den âHappy Indexâ â hierbei geht es um die schnelle Antwort auf die einfache Frage âWie war deine Woche im BĂŒro?â Der Happy Index ist fĂŒr uns ein wichtiges Kriterium fĂŒr strategische Entscheidungen. In diesem Artikel spricht AndrĂ© Roitzsch, CEO der Shopmacher ĂŒber unsere Erfahrungen mit dem „Happy Index“.
Wir ermitteln seit Anfang 2020 jede Woche den Happy-Index unserer Mitarbeiter. Das ist grundsĂ€tzlich keine groĂe Sache und geht recht flott: Jeder Kollege bekommt Freitags um 10h ĂŒber unser Chat-System eine automatisierte Einladung zu einer Mini-Onlineumfrage mit 2 Fragen:
1. Frage: âWie war deine Woche?â (Antwortoptionen âsehr gutâ, âgutâ, âschlechtâ, âsehr schlecht)
2. Frage: âIn welchem Team bist du?â (Antwortoptionen sind eben unsere verschiedene Teams)
Wir sehen also, wie die Stimmung in den einzelnen Teams gerade ist, ansonsten ist die Mini-Befragung anonym und auch nicht qualitativ ausgerichtet. EinschĂ€tzungen zur FĂŒhrungsqualitĂ€t, Verbesserungspotenzialen o. Ă. erfahren wir hier nicht. Das erheben wir 1x jĂ€hrlich in einer umfassenderen Mitarbeiterbefragung.
Beim Happy-Index geht es uns nur darum, ein aktuelles Stimmungsbild einzufangen. Das haben wir dann eben jede Woche fĂŒr jedes Team und die gesamte Truppe. Auch unsere Vietnamesischen Kollegen sind natĂŒrlich dabei.Â
Der Maximalwert fĂŒr unseren Happy-Index wĂ€re ĂŒbrigens bei den vier Antwortoptionen 4.0, wenn alle Kollegen eine sehr gute Woche hĂ€tten. Ich habe als persönliches Ziel im Kopf, dass er nach Möglichkeit 3.0 erreichen sollte. Als wir damit begonnen haben, lag er bei 2.8, dieses Jahr stehen wir im Schnitt bei 3.1.
Die Entwicklung von dem „Happy Index“
Warum machen wir das und was versprechen wir uns davon?Â
Ein einzelner Happy-Index ist in der Regel kaum aussagekrĂ€ftig fĂŒr irgendwas, weil halt die qualitative Komponente fehlt. Spannend sind Trends, Korrelationen mit bestimmten Ereignissen â und RĂŒckschlĂŒsse, die sich daraus auf der Makro-Ebene ziehen lassen.
Beispiele:
- Ist die Stimmung zu bestimmten Jahreszeiten besser oder schlechter? >> Konnten wir so nicht feststellen.
- Ist eine sehr hohe Auslastung schlecht fĂŒr die Stimmung? >> Nein, ganz im Gegenteil. Wir haben eher festgestellt, dass der Index sinkt, wenn weniger zu tun ist.
- Was passiert mit dem Happy-Index, wenn im April 2020 die gesamte Belegschaft ins Home Office wechselt? >> Er sinkt â und zwar signifikant.
- Was passiert mit dem Happy-Index, wenn wir die Kollegen nach 2 Jahren Remote Work mit sanftem Druck motivieren, doch wieder mehr Zeit im Office zu verbringen und dafĂŒr Anreize setzen, um den Teamspirit neu zu beleben? >> Er sinkt zuerst leicht (es war so gemĂŒtlich am heimischen PC?), steigt dann aber stĂ€rker wieder an (vielleicht, weil physisch erfahrbarer Teamspirit doch eine tolle Sache ist?).
Wie an den Beispielen zu sehen ist, bleibt natĂŒrlich vieles vage. Wir interpretieren die VerĂ€nderungen ohne abschlieĂende Gewissheit ĂŒber die KausalitĂ€ten. Aber mit der Zeit werden unsere Interpretationen immer besser, weil wir einfach immer mehr Daten gewinnen und sich bestimmte Korrelationen hĂ€ufen. Wir beobachten vor allem Trends und Korrelationen mit bestimmten Ereignissen. Daraus ziehen wir dann SchlĂŒsse.
Trotzdem bin ich inzwischen von einigen Kollegen gefragt worden, was das ĂŒberhaupt soll â bis hin zu der Aussage âIch mache da eigentlich kaum noch mit, es Ă€ndert sich ja eh nix.â (Ăbrigens: Beteiligung liegt etwa bei 60-70% der Belegschaft)
Daraus lerne ich dann wieder, dass ich den Sinn und Zweck der ganzen Angelegenheit noch besser erklÀren sollte.
ZunĂ€chst mal: NatĂŒrlich bestellen wir keinen Clown, wenn mal mehrere Leute auf einmal eine schlechte Woche hatten. Und wir können dann auch nicht spontan die GehĂ€lter anpassen oder ein bestimmtes Projekt einfach mal eben ohne RĂŒcksicht auf laufende VertrĂ€ge beenden. Unser Happy-Index ist langfristig ausgerichtet.
Ich finde es aber schon bemerkenswert, dass ein Arbeitgeber sagt: âEs ist mir wichtig, dass ihr happy seid, deswegen frage ich euch wirklich jede Woche, wie es euch geht.â Und dann sitze ich da 1x monatlich mit meinen Kollegen aus HR und Agile Coaching ĂŒber den Ergebnissen, wir grĂŒbeln, woran dieser oder jener Trend liegen kann und wie wir das positiv beeinflussen können. Das ist gelebte Mitarbeiterzentrierung: Wir wollen, dass es den Leuten wirklich gut geht bei uns. Und mit dem Happy-Index lernen wir und irren uns voran.
André Roitzsch, CEO der Shopmacher
UNSER HAPPY INDEX IST LANGFRISTIG AUSGELEGT
Wir haben ein kommerziell wirklich attraktives Projekt dankend abgelehnt, weil wir die Sorge hatten, dass uns âder Happy-Index um die Ohren fliegt, wenn wir dieses Projekt wirklich machenâ (Original-Zitat einer Kollegin).
Fairerweise muss ich sagen, dass nicht allein die Sorge um den Happy-Index ausschlaggebend war, sondern eine Reihe von Parametern nicht passten und wir insgesamt gerade gut beschĂ€ftigt sind (wie viele gute Digitalagenturen) â aber es war auch nicht so, dass wir die KapazitĂ€ten fĂŒr den geplanten Projektzeitraum nicht hĂ€tten bereitstellen können. Wir wollten einfach nicht, weil wir fanden, unter den gegebenen Rahmenbedingungen auf Kundenseite wĂŒrde es uns und unseren Kollegen nicht gut tun.
Und damit ist der kleine, simple und vielleicht manchmal unterschĂ€tzte Happy-Index bei den Shopmachern zu einem Parameter fĂŒr unternehmensstrategische Entscheidungen geworden. Wer hĂ€tte das gedacht?
AUCH INTERESSANT
Wie 1A Medizintechnik und SHOPMACHER fĂŒr Rettungswachen die Beschaffung von Notfall-Equipment digitalisieren
Viele Rettungswachen arbeiten heute noch sehr stark analog. Um Produkte nachzubestellen, laufen die SanitĂ€ter hĂ€ufig selbst mit Stift und Zettel durch ihre LĂ€ger und notieren, was fehlt. Den Zettel tippt anschlieĂend eine BĂŒrokraft ab, der Wachenleiter quittiert und die Bestellung wird – per Fax oder Telefon – an den GroĂhĂ€ndler ĂŒbermittelt.
Die Ausgangslage: Warum ein Fundament aus Zahnstochern jedes Projekt zu Fall bringt
Wer ein Haus baut, prĂŒft zuerst den Baugrund. Wer ein Digitalprojekt startet, ignoriert diesen Schritt oft und wundert sich spĂ€ter ĂŒber Risse in der Fassade. Das Problem: Jede ungeklĂ€rte Annahme ĂŒber den Ist-Zustand kostet im spĂ€teren Projektverlauf ein Vielfaches. Wenn Dokumentationen fehlen und das Wissen nur in den Köpfen einzelner Mitarbeiter existiert, wird jede Neuerung zum riskanten Blindflug.
Die Shopmacher sind Mitglied der MACH Alliance
Wer Mitglied der MACH Alliance werden will, muss beweisen, dass MACH nicht nur auf Folien steht, sondern in echten Systemen funktioniert. Der Zertifizierungsprozess ist rigoros, die Anforderungen hoch. Und genau deshalb ist diese Aufnahme fĂŒr uns besonders. Weltweit haben nur wenige Agenturen diesen Nachweis erbracht. Die Shopmacher jetzt auch. Und ja, darauf sind wir verdammt stolz.