26. Feb 2020

FRONTEND HUI!, BACKEND PFUI!

E-Commerce-Prüfverfahren der SHOPMACHER aus Gescher liefert bemerkenswerte Ergebnisse: Unter der Motorhaube waren geprüfte Shops 2019 nicht ideal aufgestellt.

Ende 2018 haben die SHOPMACHER vor der Übernahme eines fremden Systems das standardisierte Verfahren des Health Checks für E-Commerce Systeme entwickelt. Dabei kommt in sieben Kategorien systematisch die “technische Gesundheit” eines Online-Shops auf den Prüfstand: Systemarchitektur, Software, Hosting, Performance, Deployment, UX/Design, Content.

In 2019 haben die Shopmacher knapp 20 Health Checks durchgeführt – für Shops die auf Basis der Softwarelösungen von Oxid, Shopware, commercetools, Spryker und Magento entwickelt wurden. Mittlere und größere Händler und Marken. B2B und B2C.

Klar ist: Jedes laufende Setup hat mit individuellen Stärken und Schwächen zu kämpfen, die in der Regel historisch entstanden sind und denen mit gezielten Eingriffen zu begegnen ist. Und doch hat sich ein bemerkenswertes Muster herausgebildet:

Allgemein gute Ergebnisse erzielten die geprüften Shops bei UX, Markenkonformität und oft auch Content. Was der Kunde zu sehen bekommt, darum kümmern sich viele Shopbetreiber mit Herzblut und leidenschaftlicher Sorgfalt.

E-Commerce Health Check SHOPMACHER

Knapp 20 Health Checks in 2019

WIEDERKEHRENDE PROBLEMFELDER: PERFORMANCE, SICHERHEIT, ARCHITEKTUR/SCHNITTSTELLEN, DEPLOYMENT.

E-Commerce Health Check SHOPMACHER - Onlineshop überprüfen und verbessern

Check-Up in 7 Dimensionen

Unter der Motorhaube sieht es dagegen oft nicht so rosig aus: Der Architektur des Gesamtsystems war wiederholt anzumerken, dass im laufenden Betrieb Workarounds und Provisorien entwickelt und angeflanscht wurden, um Lösungen für vermutlich unvorhergesehene kurzfristige Anforderungen zu finden. Vielleicht in dem Moment pragmatisch, oft aber zulasten der Stabilität und der Updatefähigkeit des Systems. Insbesondere bei der Anbindung von Drittsystemen fanden die SHOPMACHER-Prüfer oft “abenteuerliche Konstruktionen”, wie Projektleiter Carsten Dütschke verrät. “Da wird gerne mal die Magie von zwei Jahren Individualisierung in ein einziges Monster-Plugin gebaut – und damit wird ein simples Update fast so aufwändig wie ein Relaunch, weil das Plugin an vielen Stellen angepasst werden muss”.

Ebenfalls ein typisches Problemfeld fast aller geprüften Systeme war die Performance. Bemerkenswert, weil das ja unmittelbaren Impact auf die Conversion hat und daher eigentlich im Fokus der Shopbetreiber liegen sollte. “Liegt es auch”, verrät Dütschke. “Die meisten Anfragen für den Health Check ergaben sich aus der teils dringenden Notwendigkeit, die Ladezeiten zu reduzieren”.

WIEDERKEHRENDE PROBLEMFELDER: PERFORMANCE, SICHERHEIT, ARCHITEKTUR/SCHNITTSTELLEN, DEPLOYMENT.

Ein Schelm, wer einen Zusammenhang zwischen den “verbauten” Systemarchitekturen und dem Performance-Problem erkennt. Ein kluger

gleichwohl, denn genau da mussten die SHOPMACHER-Prüfer ansetzen, um spürbare und nachhaltige Verbesserungen bei der Ladezeit zu erzielen.

Problematisch ist in diesem Zusammenhang auch, dass die gängigen Google-Tools, mit denen die Performance bewertet wird, um die “gefühlte Ladezeit” zu objektivieren, teils widersprüchliche Ergebnisse liefern: Je nachdem, welchen Richtwert man setzt, kann man Performance nach unterschiedlichen Parametern bewerten und zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen kommen. “Viele Händler sind nach einer Prüfung mit Standard-Tools nicht schlauer als mit ihrem Bauchgefühl”, verrät Tech Lead Patrick Blom, der einige der komplexeren Systeme unter die Lupe nahm.

Um hier zu neutralen und belastbaren Ergebnissen zu kommen, nutzen die SHOPMACHER inzwischen das von dem auf E-Commerce-Hosting spezialisierten Partner ScaleCommerce entwickelte Tool CommerceScore. Dieses recht neue Analyse-Werkzeug hat das Ziel, konsistente und valide Testergebnisse ohne Schwankungen zu generieren, um eine perspektivische Vergleichbarkeit der Resultate zu ermöglichen.

“So kommen wir inzwischen im Zuge unserer Prüfung zu einer belastbareren Diagnose und können auch die versteckten Performance Killer besser identifizieren”, verrät der SHOPMACHER.

Überraschend war für die SHOPMACHER-Prüfer darüber hinaus, dass fast alle geprüften Systeme beim Deployment-Prozess teils weit unter dem erforderlichen Standard für Enterprise E-Commerce-Systeme blieben. “Man sieht das nicht und es hat ja auch keinen unmittelbaren Einfluss auf die Verkaufszahlen. Aber ein unprofessionelles Vorgehen beim Deployment birgt erhebliche Risiken für einen Shopbetreiber.” Hier haben die Prüfer Einfallstore für Hacker-Angriffe gefunden, oder das vollständige Fehlen der Roll-Back-Option, also der Möglichkeit, nach einem fehlgeschlagenen Deployment den vorherigen Zustand des Shops wieder herzustellen. “Damit kann man sich mal eben per Deployment den gesamten Shop abschießen,” warnt Blom.

Am Ende bleibt die Bilanz, dass die Verantwortlichen der geprüften Systeme zwar zurecht großen Wert auf Look & Feel ihrer Systeme legen – offenbar, weil hier der Zusammenhang zum Verkaufserfolg der Shops auf der Hand liegt, allerdings die Risiken der schleichenden technischen Verwahrlosung oft nicht kennen oder unterschätzen.

 

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